Ortsgemeinde Hütschenhausen

Im Gespräch mit unserer neuen Revierförsterin

„Der Wald denkt in Generationen“

Frau Schäfer über ihre ersten Monate im Gemeindewald, die Folgen des Klimawandels und ihre Pläne für die Zukunft

Seit dem 1. Oktober ist Frau Schäfer als Revierförsterin für unseren Gemeindewald zuständig. Im Interview blickt sie auf ihre ersten Monate zurück, erklärt, wie es um die Gesundheit des Waldes trotz Klimawandel bestellt ist, und stellt ihre Pläne vor – von klimaangepassten Baumarten über Wasserrückhalt bis hin zu mehr Totholz. Klar wird dabei vor allem eines: Frau Schäfer brennt für ihren Beruf.

Frau Schäfer, Sie sind jetzt seit ein paar Monaten unsere Gemeindeförsterin. Haben Sie „Ihren“ Wald hier schon ausgekundschaftet?

Auch wenn man oft von „meinem“ Wald spricht, ist es natürlich der Wald der Gemeinde und ihrer Bürgerinnen und Bürger. Ich freue mich, ihn als Försterin betreuen zu dürfen. Seit dem 1. Oktober bin ich im Gemeindewald tätig. Auch wenn ich sicher noch nicht jede Ecke des Waldes kennengelernt habe, habe ich in den vergangenen Monaten bereits viele spannende Eindrücke gesammelt.

Zu den ersten spannenden Aufgaben gehörten unter anderem die eigenständige Pflanzung von Douglasien auf der Kalamitätsfläche am Marschberg. Außerdem konnte ich bereits Erfahrungen in verschiedenen Verkehrssicherungssituationen sammeln, wie beispielsweise entlang der Autobahn, und nach einem Windereignis eine kleinere Schadfläche aufnehmen und die erforderlichen Maßnahmen begleiten. Besonders freue ich mich aber auch über die vielen Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern, sei es bei Begegnungen im Wald oder beim Brennholzverkauf. Daneben gehören natürlich auch klassische forstliche Arbeiten wie das Auszeichnen von Beständen oder die Planung von Maßnahmen zur Unterhaltung der Waldwege zu meinem Arbeitsalltag.

 

Ist der Gemeindewald denn noch einigermaßen gesund?

Insgesamt kann man sagen, dass sich der Gemeindewald in einem überwiegend guten und gesunden Zustand befindet. Natürlich bleiben auch wir von den Auswirkungen des Klimawandels nicht verschont. So gibt es kleinere Kalamitätsflächen, die durch den Borkenkäfer entstanden sind. Auch bei der Buche beobachten wir stellenweise Vitalitätseinbußen. Diese bewegen sich derzeit jedoch noch in einem Maß, das für viele Wälder in unserer Region typisch ist.

Die Kalamitätsfläche am Marschberg wurde bereits unter der Leitung von Herrn Mohr mit Douglasien wieder aufgeforstet und in diesem Jahr nachgebessert. Nun gilt es, diese Entwicklung in den kommenden Jahren aufmerksam zu begleiten und zu beobachten, ob weitere Ausfälle auftreten oder sich die Kultur gut etabliert.

 

Welche Chancen sehen Sie in der Entwicklung unseres Waldes, welche Risiken?

Ein Risiko sehe ich insbesondere in kleineren Douglasien-Reinbeständen, da diese durch die Douglasienschütte anfällig sind. Gleichzeitig spielt auch die Buche eine wichtige Rolle. Sie ist im Gemeindewald stark vertreten und verjüngt sich sehr erfolgreich, da sie im Vergleich zu anderen, selteneren Baumarten weniger Verbissdruck durch Rehwild erleidet. Dadurch besteht die Gefahr, dass sie langfristig andere Baumarten verdrängt: Da junge Buchen häufig stark vertreten und gleichzeitig sehr schattenertragend sind, können sie lichtbedürftige Baumarten wie Eiche oder Kiefer im jungen Bestand unterdrücken. Das würde auf Dauer zu einer Entmischung der Wälder führen.

Die große Chance liegt darin, dass die Wälder in Hütschenhausen bereits überwiegend aus Nadel-Laub-Mischbeständen bestehen. In vielen Bereichen dominiert zwar im Hauptbestand die Kiefer, doch genau diese gilt es auch in die nächste Waldgeneration zu übernehmen und gleichzeitig die Mischung weiter auszubauen. Ein vielfältiger Mischwald ist deutlich widerstandsfähiger gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels und bietet gleichzeitig wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

 

Was planen Sie für die nächsten Jahre an Maßnahmen, um dem Klimawandel entgegenzuwirken?

Ein Schwerpunkt der kommenden Jahre wird die sogenannte Vorausverjüngung unter älteren Waldbeständen sein. Vor allem in Reinbeständen sollen gezielt weitere Mischbaumarten eingebracht werden. Dazu gehören beispielsweise Weißtanne, Winterlinde sowie die Sorbus-Arten. Gleichzeitig sollen vorhandene Eichen besonders gefördert und ergänzend auch weitere klimaangepasste Eichenarten wie die Flaumeiche eingebracht werden. Auch die Atlaszeder oder Eibe kann an geeigneten Standorten eine sinnvolle Ergänzung sein. Trotz dieser Überlegungen liegt das Hauptaugenmerk weiterhin auf heimischen Baumarten, da sie einen wichtigen Beitrag zu stabilen und artenreichen Waldökosystemen leisten.

Ein weiteres zentrales Thema ist der Wasserrückhalt im Wald. Bereits in diesem Jahr beginne ich am Marschberg mit der Anlage von Sickermulden. Diese sorgen dafür, dass sich Regenwasser, insbesondere bei Starkregenereignissen, sammeln kann und anschließend langsam in den Waldbestand überläuft, versickert oder verdunstet. Dadurch wird verhindert, dass das Wasser ungenutzt über die Wege aus dem Wald abfließt. Solche Maßnahmen sollen in den kommenden Jahren kontinuierlich fortgeführt werden, um nach und nach mehr Wasser im Wald zu halten.

Ein weiterer Baustein ist die gezielte Anreicherung von liegendem und stehendem Totholz. Es speichert Wasser, verbessert das Waldinnenklima und bietet wertvolle Habitatstrukturen für zahlreiche Insekten, Pilze, Kleinstlebewesen sowie für Vögel und Fledermäuse.

Darüber hinaus sollen Holzerntemaßnahmen weiterhin als Einzelbaumentnahmen erfolgen. Dabei werden gezielt einzelne Bäume entnommen, während vitale Zukunftsbäume erhalten und gefördert werden. So entstehen keine großflächigen Kahlflächen, sondern ein abwechslungsreiches Mosaik aus sonnigen und schattigen Bereichen. Dieses fördert die natürliche Verjüngung und schützt gleichzeitig den Waldboden durch das Kronendach vor einer starken Austrocknung.

 

Was schätzen Sie am meisten an Ihrem Beruf?

Am meisten schätze ich die große Vielfalt meines Berufs. Kein Arbeitstag gleicht dem anderen. Mal bin ich im Wald unterwegs und beurteile Bestände oder plane Pflegemaßnahmen, mal stehe ich im Austausch mit Waldbesitzern, Bürgerinnen und Bürgern, Behörden oder Unternehmen. Gerade diese abwechslungsreiche Mischung aus praktischer Arbeit im Wald, organisatorischen Aufgaben und dem Kontakt zu ganz unterschiedlichen Menschen macht den Beruf für mich besonders spannend.

Hinzu kommt, dass ich täglich in der Natur arbeiten darf. Den Wandel der Jahreszeiten unmittelbar mitzuerleben und die Entwicklung eines Waldes über viele Jahre begleiten zu können, ist etwas ganz Besonderes. Als Försterin denkt man in Generationen, da viele Entscheidungen, die wir heute treffen, ihre Wirkung erst in Jahrzehnten entfalten werden. Gerade diese Verantwortung macht den Beruf so faszinierend.

Besonders schön ist für mich außerdem der Kontakt mit den Menschen. Ob bei Gesprächen im Wald, beim Brennholzverkauf oder bei gemeinsamen Projekten, der Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern gehört genauso zu meinem Beruf wie die Arbeit im Bestand. Es freut mich, wenn ich Menschen für den Wald begeistern, Zusammenhänge erklären und dazu beitragen kann, dass wir unseren Gemeindewald gemeinsam für kommende Generationen erhalten und weiterentwickeln. Genau diese Verbindung aus Natur, Verantwortung, Nachhaltigkeit und der Arbeit mit Menschen macht den Beruf der Försterin für mich so erfüllend.


„Frau Schäfers Blick für unseren Wald und ihr Engagement für seine Zukunft sind beeindruckend“, sagt Ortsbürgermeister Achim Wätzold. „Es freut mich, dass wir mit ihr eine kompetente und engagierte Revierförsterin für unseren Gemeindewald erhalten haben.“