Ortsgemeinde Hütschenhausen

Spesbach hat jetzt einen Biberwoog

Was eine fleißige und äußerst „fachkundige“ Biberfamilie innnerhalb von nur knapp drei Jahren südlich von Spesbach geschaffen hat, ist beinahe unglaublich: Aus einer einfachen Wiese mit ein paar Bäumen darauf wurden rund 15 ha (150.000 Quadratmeter) wertvollstes Feuchtbiotop. Mit einigen größeren Woogen und vielen kleineren flachen Wasserfächen. Doch von vorne:

Biberwoog mit Damm - der Hochsitz im Hintergrund steht mitten im Wasser, er ist nicht mehr nutzbar (Foto: Alexander Weis)

Als vor knapp 30 Jahren die Airbase Ramstein ausgebaut wurde, mussten dafür sogenannte Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt werden. Im Rahmen einer Flurbereinigung kam der deutsche Staat in den Besitz großer Flächen links und rechts des Schwarzbachs bei Spesbach. Auf Teilen wurden Moorbirken- und Eichenwäldchen angelegt, auf einer Länge von rund 1,5 Kilometer konnte der Schwarzbach renaturiert werden. Für die Pflege der Wiesen hat man zwei Landwirte gewonnen. Dies blieb über nahezu 25 Jahre so.

 

Und dann kam der Biber mit Familie und machte sich ans Werk. Zuerst baute er zwei „Hauptdämme“ und staute damit den Schwarzbach schon einmal gründlich an. Schnell stand das Wasser hoch genug, damit man sich auch „häuslich“ einrichten konnte. Mehrere „Biberburgen“ wurden errichtet, deren Eingänge immer unter Wasser liegen, die „Wohnfläche“ selbst aber befindet sich erhöht und geschützt auf dem Trockenen. Im zweiten und im nunmehr dritten Jahr wurde durch kunstvolles Anlegen weiterer kleinerer und größerer Dämme der gesamte Wiesenbereich geflutet. Das benötigte Baumaterial hat sich der tierische Baumeister durch exakt vorherberechnete Fällungen der Randbäume beschafft. Im Winter diente die Rinde zudem als Grundnahrungsmittel der tierischen Baumeister.

Heute präsentiert sich der nicht gerade kleine Bereich im Spesbacher Bruch fast wieder so, wie man sich das Moor früher einmal vorstellen kann. Alles mehr oder weniger unter Wasser, hohes Binsengras, einige dünne Bäume und niedrige Sträucher. Die anliegenden Moorbirken und Eichen ebenfalls größtenteils überflutet. Unzugänglich für den Menschen. Dafür hat aber die Tierwelt den neuen Lebensraum schnell für sich erobert. Alex Weis, der Vogelkundler, ist regelmäßig vor Ort und berichtet begeistert von seinen Entdeckungen. Auch ganz seltene Vogelarten, z.B. die Knäkente und die Bekassine, hat er bereits entdeckt. „Ein reiner Glücksfall, dass sich der gesamte Bereich im Eigentum der Bundesrepublick Deutschland befindet“, so Ortsbürgermeister Achim Wätzold, „denn damit kann sich dieses neue, unglaublich wertvolle Stück Natur vollkommen ungestört entwickeln“. Und die Gemeinde ist um eine Attraktion reicher. Nach dem von Menschenhand angelegten „Kranichwoog“ in Hütschenhausen nun also der in „Eigenleistung“ vom Biber geschaffene Woog in Spesbach, der „Biberwoog“. Und als hätte es die Biberfamilie so geplant: Er liegt direkt am Ostrand des ebenfalls vor drei Jahren geschaffenen NATURA 2000 Erlebniswegs. (PJ)